Vom 23. bis 27. März 2026 fand am Seminar für Ethnologie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg die Spring School der International Max Planck Research School (IMPRS) „Global Multiplicity" statt – ein jährliches Format, das Doktorand*innen und Betreuende der Graduiertenschule zusammenbringt, um gemeinsam zu forschen, zu diskutieren und die eigene wissenschaftliche Praxis weiterzuentwickeln. In diesem Jahr wurde die Spring School von Asta Vonderau, Anita von Poser, Olaf Zenker (Ethnologie) und Dirk Hanschel (Jura) gemeinsam ausgerichtet.
Die internationalen Teilnehmenden der IMPRS kommen neben der MLU von der Universität Leipzig, dem Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung und der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen und forschen zu sehr unterschiedlichen gesellschaftlichen Themen – von politischer Polarisierung in Ostdeutschland über städtische Infrastruktur in Rumänien und Indien bis hin zu Migrationsrecht in Europa. Diese thematische Breite ist kein Zufall: Die IMPRS bringt bewusst Forschende zusammen, die in erschiedenen Kontexten arbeiten, um gesellschaftliche Prozesse nicht isoliert, sondern in ihren globalen Zusammenhängen zu verstehen.
Ein wichtiger Programmpunkt war der interdisziplinäre Austausch, insbesondere zwischen Ethnologie und Rechtswissenschaft, Ethnologie und Soziologie sowie Ethnologie und Geschichtswissenschaft. In gemeinsamen Sitzungen wurden unterschiedliche Zugänge zu Themen wie Normen, Institutionen und gesellschaftlichem Wandel diskutiert. Dabei ging es nicht darum, die Perspektiven einander anzugleichen, sondern darum, aus ihren Unterschieden neue Fragen zu entwickeln.
Den Eröffnungsvortrag hielt Arzoo Osanloo (Princeton University) zum Thema Wirtschaftssanktionen – einem Thema, das die Verbindung globaler politischer Entscheidungen mit lokalen Lebensrealitäten eindringlich vor Augen führt. Am Beispiel Iran zeigte sie, wie Sanktionen langfristige soziale und materielle Bedingungen prägen.
Neben inhaltlichen Impulsen lag ein Schwerpunkt auf der Weiterentwicklung akademischer Fähigkeiten. Workshops zu Publikationsstrategien, Datenanalyse und Drittmittelanträgen gaben den Teilnehmenden Gelegenheit, konkrete Herausforderungen ihrer Arbeit als Wissenschaftler*innen zu bewältigen und voneinander zu lernen. Ergänzt wurden diese durch Austauschformate, in denen Doktorand*innen ihre jeweiligen Projekte vorstellen und gezielt Feedback einholen konnten.
Die Spring School bot damit vor allem einen Rahmen, um die eigene wissenschaftliche Praxis und Forschung im Gespräch mit anderen weiterzuentwickeln. Forschung zu Gesellschaften in unterschiedlichen Teilen der Welt liefert dabei nicht nur Wissen über diese Gesellschaften selbst – sie schärft den Blick für grundlegende Fragen, die weit über den jeweiligen Kontext hinausweisen.