Der italienische Philosoph Antonio Gramsci beschrieb Politik als einen „Stellungskrieg“: als Auseinandersetzung darum, welche Vorstellungen von Gesellschaft selbstverständlich werden und den öffentlichen Diskurs bestimmen. Darauf mit noch lauteren Parolen zu reagieren, reicht nicht. Es geht auch darum, den Rechtspopulist*innen den Diskursraum nicht zu überlassen und ein eigenes, positives Verständnis demokratischen Zusammenlebens sichtbar zu machen.
In seinem Gastbeitrag für die taz wechselt Olaf Zenker deshalb die Perspektive. Der Text beginnt nicht beim Rechtspopulismus, sondern bei einer Gesellschaft, in der sehr unterschiedliche Menschen miteinander leben. Er richtet den Blick auf Verschiedenheit und Streit, Rechte und Institutionen, soziale Ungleichheit und Kompromisse – aber auch auf Fürsorge, alltägliches Engagement und die vielen Möglichkeiten, gesellschaftliche Verhältnisse gemeinsam zu verändern.
Dabei wird die liberale Demokratie weder idealisiert noch als fertiger Zustand beschrieben. Der Beitrag fragt vielmehr, welche Gefühle demokratisches Zusammenleben auslösen kann und welche gesellschaftlichen Kräfte in ihm bereits angelegt sind. Darin liegt auch eine Aufgabe von public anthropologies: nicht nur autoritäre Entwicklungen zu untersuchen, sondern pluralistische Gesellschaften in ihrer ganzen Widersprüchlichkeit sichtbar zu machen und an ihrer öffentlichen Selbstverständigung mitzuwirken.
Der Gastbeitrag ist in der taz erschienen und hier frei zugänglich: