Effekte

Neue Publikation: Relationale Erinnerung

Michael Rothbergs Beitrag zu relationaler Erinnerung im Open Access erschienen

Thomas Götzelmann
30.03.2026
Image placeholder Neue Publikation: Relationale Erinnerung
(Abb. 1) AWAL 12 als Heft ©Olaf Zenker
Michael Rothbergs ANTON WILHELM AMO LECTURE vom 18. Juni 2025 an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg ist als Band 12 der gleichnamigen Reihe beim Universitätsverlag Halle-Wittenberg erschienen. Der englischsprachige Text untersucht Pınar Öğrencis Essayfilm Aşît [Die Lawine] anhand des Konzepts der relationalen Erinnerung.

Der 12. Band der ANTON WILHELM AMO LECTURES an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg ist erschienen – die Reihe lädt seit 2013 jährlich internationale Wissenschaftler*innen ein, Forschung im Geiste Anton Wilhelm Amos vorzustellen und das akademische Format der LECTURE dabei kritisch zu hinterfragen.

Mit Band 12 liegt die LECTURE von Michael Rothberg nun gedruckt vor: „From Memory Wars to Memory Work: Relational Remembrance in Pınar Öğrenci's Aşît [The Avalanche]“. Rothberg ist Professor für Englisch und Komparatistik sowie Holocaust Studies an der University of California, Los Angeles, und international unter anderem durch sein Buch „Multidirektionale Erinnerung" (en. 2009; dt. 2021) bekannt, in dem er für einen Erinnerungsbegriff plädiert, der verschiedene Erfahrungen historischer Gewalt nicht gegeneinander ausspielt, sondern ihre Verflechtungen in den Blick nimmt.

In seiner LECTURE wendet Rothberg diesen Ansatz auf Aşît [Die Lawine] an, einen Essayfilm der in Berlin lebenden Künstlerin und Filmemacherin Pınar Öğrenci. Der 60-minütige Film wurde 2022 erstmals auf der documenta fifteen gezeigt und begleitet Öğrenci beim Lesen der miteinander verflochtenen Spuren der Geschichte von Armeniern und Kurden im Südosten der Türkei. Durch eine behutsame Montage von Bild, Ton und Archivmaterial legt Aşît Erinnerungsschichten frei, die erzwungenes Schweigen und staatliche Verdrängung überlagert haben – ein filmisches Gedächtniswerk, das verschiedene Gewalterfahrungen miteinander in Beziehung setzt, ohne sie gleichzusetzen.

Rothberg liest Aşît als Modell für das, was er „relationale Erinnerung" nennt: einen Umgang mit der Vergangenheit, der verflochtene Geschichten anerkennt und engen nationalen Erinnerungsrahmen entgegentritt. Die Publikation schlägt damit eine Brücke von künstlerischen Praktiken zur Erinnerungstheorie und macht deutlich, welche Möglichkeiten entstehen, wenn Erinnerungsarbeit aus postmigrantischen Perspektiven heraus gedacht wird.

Das Heft ist als Open-Access-Publikation kostenlos zugänglich: