Schlaglichter

Neue Publikation: Racial Justice in Land Restitution

Wie lässt sich historisches Unrecht wiedergutmachen? Und welche Rolle kann Land dabei spielen?

Olaf Zenker
04.07.2026
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(Abb. 1) Coverseite des Artikels in Annual Review of Law and Social Science ©2026 Annual Reviews
In seinem neuen Übersichtsartikel für das Annual Review of Law and Social Science untersucht Olaf Zenker, wie Fragen von Land, Eigentum und Rassismus weltweit miteinander verwoben sind. Anhand von Beispielen aus Südafrika, Nord- und Südamerika, Israel/Palästina sowie weiteren Kontexten zeigt der Beitrag, dass Landrückgabe weit mehr ist als die Korrektur vergangenen Unrechts. Sie ist zugleich ein politischer Aushandlungsprozess darüber, wem Zugehörigkeit, Anerkennung und Zukunft zustehen.

Aus anthropologischer und rechtswissenschaftlicher Perspektive argumentiert der Artikel, dass Restitution nicht als einfache Rückgabe verstanden werden kann. Vielmehr bewegen sich heutige Gesellschaften in komplexen Verflechtungen historischer Gewalt, gegenwärtiger Ungleichheit und konkurrierender Gerechtigkeitsansprüche. Gerade deshalb geraten reparative Ansätze, die vergangenes Unrecht ausgleichen wollen, zunehmend in einen produktiven Dialog mit gegenwarts- und zukunftsorientierten Forderungen nach sozialer Umverteilung.

Der Beitrag weitet den Blick zudem über klassische Debatten um Eigentum und Entschädigung hinaus. Er diskutiert, wie gegenwärtige Vorstellungen von Gerechtigkeit häufig durch einen terrestrial bias (die Konzentration auf Ansprüche nur an Land), einen anthropocentric bias (die ausschließliche Orientierung an menschlichen Interessen) und einen planetary bias (die Beschränkung räumlicher Gerechtigkeitsvorstellungen auf die Erde statt auch außerirdische Räume mitzudenken) geprägt sind. So verbindet der Artikel historische Landkonflikte mit zukünftigen Fragen von Gerechtigkeit auf und jenseits der Erde.

Der Beitrag schlägt vor, diese Vielschichtigkeit als Chance zu begreifen: Statt Reparation und Redistribution gegeneinander auszuspielen, könnten beide gemeinsam dazu beitragen, historisch gewachsene Ungleichheiten zu überwinden und gerechtere gesellschaftliche Zukünfte zu eröffnen.

Der Artikel ist im Annual Review of Law and Social Science erschienen und frei zugänglich:
https://www.annualreviews.org/content/journals/10.1146/annurev-lawsocsci-062124-122553