Im Mai 2026 bündelte die Legacy Session „Nicht-Zugehörigkeit – emotionsanthropologische Perspektiven“, die an der Freien Universität Berlin stattfand und von Anita von Poser moderiert wurde, zentrale Einsichten unserer langzeitlichen Forschungen am SFB 1171 Affective Societies über den Zusammenhang von Migration und Emotion, transnationales Familienleben und postmigrantische Identitäten am Beispiel vietnamesischer Migrationen nach Deutschland. Im Mittelpunkt stand Mehrfachzugehörigkeit nicht nur als vermeintliches Plus, sondern auch ihre schmerzhafte Kehrseite: Erfahrungen des Nicht-Zugehörig-Seins, der Entfremdung und des Schweigens zwischen den Generationen.
Wer ist zugehörig, wer ist dies nicht, wer verhindert Zugehörigkeit aus welchen Gründen und wer bündelt welche Kräfte, um ein Zusammenleben in bewegten Welten auf Basis eines Miteinanders und nicht eines Gegeneinanders zu gestalten? Diese und andere Fragen wurden gemeinsam diskutiert.
Ein Impulsvortrag unserer Kollegin Birgitt Röttger-Rössler und anschließende Kurzbeiträge von Edda Willamowski, Dạ My Ðào und Max Müller sowie von Giang Thierbach, einer weiteren Kollegin von uns, eröffneten zahlreiche und einander ergänzende Perspektiven auf intergenerationales Schweigen, verkörperte Erinnerungen, sprachliche Anerkennungsbarrieren in deutsch-vietnamesischen Familien sowie postmigrantische Räume des Zuhörens und der Selbstorganisierung.
Deutlich wurde: Nicht-Zugehörigkeit ist keine private Randnotiz, sondern eine gesellschaftlich hervorgebrachte Erfahrung, die Familienbeziehungen, psychisches Wohlbefinden und öffentliche Debatten über Migration berührt. In diesem Sinne war die Session auch eine Public-Anthropology-Intervention mit Public-Health-Relevanz. Sie brachte ethnografisches Wissen über Migration, Altern, mentale Gesundheit und Care in einen gemeinsamen öffentlichen Gesprächsraum, in der wir als Forschende, unsere wissenschaftlichen Kolleg:innen sowie viele Bekannte und Expert:innen aus unseren Forschungsgemeinschaften zusammenkamen.